Deutsche Bahn
Kategorie: Deutsche Bahn

Ganz normaler Freitagabend-Wahnsinn

Erstellt am: 20. January 2013 von Tommi
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Eine bemerkenswerte Fahrt hatte ich am vergangenen Freitag mit dem mit dem ICE 844 vom Berliner Ostbahnhof zum Essener Hauptbahnhof. Seit nunmehr gut einem Monat ist dies mein Stamm-ICE für die freitägliche Heimfahrt – und nach dem vielbesprochenen „Wintereinbruch“ rechnete ich erstmals auch mit einer verspäteten Ankunft in der „Ruhr-Metropole“.

Geschwindigkeitsbeschränkung

Gut los ging es schon mit einer Stop-and-Go-Fahrt auf der Berlin Stadtbahn. Diese verläuft bekanntermaßen auf der West-Ost-Achse der Hauptstadt und nimmt mit Lichtenberg, Ostbahnhof, Hauptbahnhof, Zoologischer Garten und Spandau die wichtigsten ehemaligen und derzeitigen Fernbahnhöfe der Stadt mit. Was viele wohl noch nicht wussten, dass man tatsächlich inmitten von Berlin Verbindungsprobleme in die wichtigsten Handynetze Deutschlands hat.

Spandau wird also mit 5 Minuten Verspätung verlassen und schon sorgt die deutschlandweit geltende Geschwindigkeitsbegrenzung aufgrund der Witterung für eine Drosselung des Tempos auf 200 km/h. Wir erreichen sowohl Wolfsburg (+10) als auch Hannover (+15) mit Verspätung. Dabei geht es erstaunlich ruhig im Zug selbst zu. Ist der Zug selbst mit ca. 70 % sehr überschaubar ausgelastet – zumindest im Wagen 24 gibt es immer noch ausreichend Plätze – erlebt man doch des öfteren den ein oder anderen sporadisch Reisenden, der schon bei einer Verspätung von 5 Minuten von „der großen Enttäuschung Bahn“ spricht. Dies bleibt heute aus.

Drehgestell kaputt?

In Hannover füllt sich der Zug dann ungewöhnlich und nun scheinen fast alle Plätze besetzt. Später erfahre ich von meiner Platz-Nachbarin, dass es an diesem Freitag zu erheblichen Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr gekommen ist und zumindest sowohl Hamburg als auch München sehr stark davon betroffen sein müssen. Da sie selbst für eine der Airlines arbeitet, nimmt auch sie die Verspätung sehr gelassen. Ebenso stellt sich heraus, dass ein Teil der in Hannover zugestiegenen Fahrgäste den ICE heute als Flug-Ersatz nutzen – damit erklärt sich also die hohe Auslastung heute.

Die 200 km/h Höchstgeschwindigkeit summieren sich bis Bielefeld weiter auf unsere Verspätung und den Bahnhof der „Stadt, die es nicht gibt“, wird mit +20 Minuten erreicht. Der eigentliche Schock der meisten Reisenden stellt sich jedoch ein, als wir zwischen Blielefeld und Hamm zunächst für 5 Minuten stehen und dann durch den 1. Betreuer informiert werden, dass der Triebfahrzeugführer von seinem Bordcomputer einen Schaden an den Drehgestellen gemeldet bekam. Ca. 5 Minuten später geht es glücklicherweise weiter – ohne wirklichen Schaden, dafür mit einer weiteren Geschwindigkeitsdrosselung auf 160 km/h – naja, soviel macht es auf der verbleibenden Strecke auch nicht mehr aus. 230 wären zwar möglich, aufgrund der dichten Folge der weiteren Halte sollte die Beschränkung aber nicht mehr allzuviel auf unsere derzeitige Verspätung draufpacken.

Die Bundesliga startet wieder

Hamm erreichen wir mit +35. Kurz nach Abfahrt in der größten deutschen Stadt ohne Hauptbahnhof will ich die „DB Navigator“-App checken, um Bus und Straßenbahn für Essen zu planen, als mich eine große rote „+70“ für Essen angrinst. „Wie bitte? Wo verlieren wir denn jetzt nochmal 35 Minuten?“ – Sekunden später die Durchsage des 1. Betreuers, der auf eine polizeiliche Ermittlung zwischen Bochum und Wattenscheid hinweist, die mit dem Ausfall des Halts in Bochum und einer Umleitung über Gelsenkirchen einhergeht. „Na Bravo!“ und schlagartig fällt mir der Bundesliga-Rückrundenstart wieder ein. Schnell die „iLiga“-App gecheckt: 1:0 führt Schalke in einem langweiligen Spiel.

In Dortmund schließlich werden alle Reisende mit Ziel Bochum gebeten, hier auszusteigen und den Nahverkehr nach Bochum zu nehmen. „Sind wir mit S-Bahn bzw. Nahverkehr schneller in Essen?“ will nicht nur ich vom Zugchef wissen, der schnell einen weiteren Anruf tätigt, nur um Sekunden später von der Aufhebung der Streckensperrung für den Fernverkehr zu berichten. Die Fahrt geht also über die Planstrecke zu Ende.

Das Bordrestaurant und -bistro sind ab Dortmund geschlossen, weil das Personal bereits unterwegs zu anderen Verpflichtungen ist – also auch nichts mehr mit meinem abschließenden Freitagabend-Kaffee. In Dortmund warten wir dann auf die Abfahrt aller bereits wartenden Nah- und Fernverkehrszüge – endlich sind auch wir dran und haben 55 Minuten Verspätung. Von oben muss es ziemlich witzig aussehen, wie nun jede Menge Züge zu einer Schlange aufgereiht durch das Ruhrgebiet zuckeln.

Und schließlich ein pöbelnder Mitreisender

Schließlich gibts zwischen Bochum und Essen doch noch „Kino“, als ein unmöglicher Fahrgast angetrunken eine der Mitreisenden Frauen beleidigt und – mit sich selbst sichtlich nicht im Reinen und schon ein bisschen angetrunken – von der Zugchefin ermahnt wird, sich zu benehmen oder sie müsse von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Als er es nicht sein lassen kann und weiterhin mit üblen Kraftausdrücken um sich schmeißt, wird er in Essen sanft des Zuges verwiesen – auch dank der Zivilcourage zahlreicher Mitreisender.

Essen wird mit +55 erreicht, ich nehme den EVAG-Bus eine Stunde später zu meiner ursprünglich geplanten Abfahrt, die Straßenbahn fällt heute glücklicherweise einmal nicht aus und ich bin um 23:00 Uhr „zu Hause“. Am Wasserturm schau ich nochmal auf das „langweilige“ Schalke-Hannover-Spiel: 5:4 – WTF? – Jeder Schuss ein Treffer! – Aber heute war ja auch „Jede Störung einmal bitte!“

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