Verkehr Allgemein

Wie Staus zu Ausfällen bei der Bahn führen

Erstellt am: 16. January 2013 von Tommi
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Der Winter ist da – naja, zumindest haben wir hier in Berlin Temperaturen im Frostbereich und es fusselt ein bisschen. Da liest man doch gerne die morgendlichen News zu „450 km Megastau in NRW“ oder „1000 km Staus in Holland“ oder hört vom „Schnee-Chaos im Westen“ im öffentlich-rechtlichen Frühstücksfernsehen.

Interessant vor allem, weil sich solche News dann selten um das eigentliche Thema drehen – nämlich dem Chaos auf Deutschlands Straßen. Allzu oft rücken Negativ-Kommentare zur Deutschen Bahn und den Nahverkehrsunternehmen in den Mittelpunkt. Schlagzeilen wie „Knapp 450 Kilometer Stau in NRW – Warnung vor Zugausfällen“ halte ich – bei allem gebotenen Respekt vor dem Journalismus – für absoluten Schwachsinn. Was bitte hat ein Stau auf der Straße mit Ausfällen im Eisenbahnverkehr zu tun? Da wird der Leser gefangen, seiner Sensationslust nach Toten und Verletzten im Straßenverkehr nachzugehen – und endet mit langweiligen Meldungen, wieviel Züge wann und wo verspätet sind und wieviel Busse in Essen heute wieder ausfallen – Enttäuschend!

Es ist sicher nur allzu verständlich, wenn „ungeahnte Witterungsverhältnisse“ zu Störungen und Beeinträchtigungen auf allen Transportwegen führen. Nur scheint es tatsächlich so, dass dem Leser im weiteren Verlaufe der Nachrichtenmeldungen suggeriert werden soll, schlechte Straßen, Staus und Unfälle seien einerseits die Ursache für verspätete Züge und öffentliche Verkehrsmittel – im Umkehrschluss aber die Deutsche Bahn Schuld an allem sei: den Staus, am Schnee, der Kälte und Unfällen auf der Autobahn.

LOL-Kommentare

Der Schreiber erreicht dann genau das, was der Artikel wohl vermitteln soll: Die Kommentare häufen sich mit Meinungen von Leuten, die – m. M. n. wieder einmal zu Unrecht – über die Bahn schimpfen:

Heute morgen in Gladbeck West: 6:27 - RB 44 nach Oberhausen: Zunächst wird eine 10-minütige Verspätung angesagt, dann 5 Minuten später der Zugausfall bekannt gegeben. Der RE 14, der 12 Minuten später nach Essen fahren soll, hat auch Verspätung, kommt aber dann mit 10 Minuten Verspätung in Essen an. Die NWB hat wohl kein wintertaugliches Material, denn die Zugausfälle haben sich in den letzten Tagen gehäuft.

In Essen versuchte ich dann, einen Zug nach Düsseldorf zu erwischen. Der Zug um 7:21 fiel aus. Zwei zwischenzeitlich fahrende ICE wurden nicht freigegeben, wobei das Personal sehr ruppig auf Anfragen von Fahrgästen reagierte, ob man bis Düsseldorf mitfahren dürfe.

Service der Deutschen Bahn? Nur in der Werbung, nicht in Wirklichkeit.

oder

Strecke Emmerich - Düsseldorf!

Ein Güterzug mach dem anderen fegt vorbei am Bahnsteig vorbei. Soll man aufspringen ? Neee lieber nicht ;-))). Ah - drei Lichter jetzt - schade wieder nur ein Güterzug.

Dann - endlich einen Menschenzug (beladen bis zur Dachkante). Er hält ! Wahnsinn ! (

Verspätung am Arbeitsplatz 1,5 Stunden. Wieder mal ;-(((

Bahn sei Dank - schämt EUCH !!!

oder

Ich oute mich jetzt mal. Ich habe ganz bewusst mein Abo-Ticket 1000 bei der Ankündigung der letzten Preiserhöhung 2011 gekündigt, im Frühjahr 2012 ein Günstig-Gebrauchtwagen gekauft und fahre seitdem Auto. Im Sommer das gebrauchte Günstigauto, jetzt im Winter den Familienkombi. Jeden Tag Ruhrgebiet -Düsseldorf-Ruhrgebiet. Seit drei Tagen schneit es, na und? - Ich habe es warm, fahre, wann es mir passt. Dauert die Fahrt eben 2 Stunden, na und? - Gleitzeit, fahre ich eben später, und bleibe länger. Dafür ist mein Sitz beheizt, mein Dach dicht, mein Fahrzeug fährt auch im Winter, weil es vorher in der Werkstatt gepflegt und gecheckt wurde. Zusammengerechnet zahle ich monatlich jetzt ziemlich genau 25 Euronen mehr als mit dem Ticket 1000. Dafür habe ich mehr Freizeit, sehe meine Familie öfter und länger...ich singe dem ÖPNV das Lied, das einst der Sputnik nach seinem Start der Sowjetunion sang: Ich bin frei, auch im Stau....ja ich bin selbstsüchtig. Und?

Natürlich ist es vollkommen in Ordnung, „wenn man 2,5 Stunden mit dem eigenen Auto im Stau steht und diese auch zu spät zur Arbeit kommt“. Zumindest scheint dies eine echte Rechtfertigung gegenüber den Verspätungen des ÖPNV zu sein. Ein Freund schrieb auf Facebook „der Deutsche stellt sich gerne an und er meckert für sein Leben gerne“.

Anmerkung: Mittlerweile scheint die Nachrichtenmeldung dem aktuellen Geschehen angepasst und die ursprüngliche Version nicht mehr abrufbar zu sein. Schade!

Quelle WAZ – auf derwesten.de

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