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[Suppe für den soul] Wie man eine Niederlage überwindet

Heute kann ich mich endlich mal wieder einem Thema widmen, das sich mit einem der psychologischen Aspekte des Spiels befasst. Wer mich etwas besser kennt und auch schon meine mittlerweile eingestellten Kolumnen gelesen hat, der weiß natürlich, dass ich an diesen Themen besonders viel Gefallen finde. Umso verwirren der muss es erscheinen, wenn ich dann direkt an dieser Stelle einwerfe, dass ich diesen Artikel nicht übermäßig gern schreibe.

Das erklärt sich folgendermaßen: Heute geht es ein wenig um Frustbewältigung. Damit das jetzt nicht zu einschläfernd wird und ihr euch aus dem Artikel raus klickt, formuliere ich es mal etwas reißerischer: Ich bin scheiße im Limited mit Krieg der Geißel!!! [1]

Wach geworden? Gut. Schlüsseln wir das erstmal ein wenig auf. Zunächst einmal halte ich mich ganz allgemein für einen halbwegs konkurrenzfähigen Spieler in den Limited-Formaten. In den beiden Events, in denen ich es in die Finals schaffte, wurde auch ein wesentlicher Anteil Limited gespielt und wäre das nicht so gewesen, wäre ich wohl auch in der Vorrunde ausgeschieden.

Nun ist es natürlich so, dass jedes Limited-Format gewisse Anforderungen an die Spieler stellt. Während der letzte Block das wohl wunderbarste Limited-Environment schuf, das ich in der gesamten Zeit, in der ich mich mit TCGs befasse, erleben durfte, liefert uns der aktuelle Block ein krasses Kontrastprogramm. Wobei, Stopp, ich muss kurz unterbrechen! Denn an dieser Stelle hat sich schon der erste Fehler meinerseits eingeschlichen: Ich habe mich bereits selbst dabei ertappt, so sehr mit dem (ich bleibe trotzdem dabei: berechtigten) Niedermachen des aktuellen Formats beschäftigt gewesen zu sein, dass mir einige meiner Spielfehler nicht im Gedächtnis hängen geblieben sind. Die unmittelbare Folge war, dass ich im Anschluss nicht daran dachte, die (mittlerweile berühmt-berüchtigte) Fehler-Analyse durchzuführen und so nicht mal aus meinen Fehlern lernte. [2]

Damit haben wir schon die erste kleine Lehre aus dem heutigen Artikel gezogen:

Befasst euch nach jedem (das schließt insbesondere auch gewonnene) Spiel noch einmal mit dem genauen Verlauf und analysiert eure Moves kritisch!

Um jetzt mal ein wenig praktischer weiter zu machen, präsentiere ich hier mein Deck, mit dem ich auf dem letzten Realm Qualifier im Sealed angetreten bin:

(Eine Karte fehlt hier, ich hab keine Ahnung welche... es sollte aber prinzipiell wirklich keinen Unterschied machen.)

Na, was glaubt ihr, wie ich mit dem Deck gegangen bin? Meine Erwartung vor dem Turnier war ein ziemlich ungefährdetes 4:0. Ich bin sogar davon ausgegangen, dass ich nicht mal ein Spiel abgeben würde. Tatsächlich habe ich es geschafft, mit diesem Deck 2:2 zu gehen. Und um ganz ehrlich zu sein, habe ich heute noch keine Ahnung, wie das eigentlich passiert ist.

Nachdem ich in Runde 1 mühelos 2:0 gewann, musste ich in Runde 2 gegen Jörg ran. Der spielte einen Schamanen, hatte einen kleinen Dolch und dazu noch Einwirkung der GezeitenEinwirkung der Gezeiten, 2, Schamane , (Badge-92C)
Fähigkeit—Wiederherstellung

Lege dies an einen Verbündeten oder eine Waffe deiner Wahl an, den oder die du kontrollierst.
Andauernd: Wenn die Karte, an die dies angelegt ist, erschöpft wird, kannst du eine Karte ziehen.
. Mit der zog er 98 Karten, so dass ihm nie die Luft ausging und mir gelang es leider nicht, den Sack zu zu machen. So legte er ordentlich nach, bis mein Held irgendwann mal tot war.

Game 2 holte ich, in Game 3 hatte ich die perfekte Kurve, er legte gegen, ich war aber ständig weiterhin vorne, musste nur 1 Runde aufziehen und er legte ein BrandtotemBrandtotem, 3, Schamane , (Badge-87U)
Fähigkeit—Elementar

Andauernd: Am Beginn deines Zuges fügt diese Fähigkeit einem Helden oder Verbündeten deiner Wahl 3 Feuerschaden zu.
Todesröcheln (Wenn diese Fähigkeit deinen Friedhof von irgendwoher betritt): Dein Held fügt einem Helden oder Verbündeten deiner Wahl 3 Feuerschaden zu.
hin. Ich kann nur 2 Verbündete ausspielen, wodurch natürlich einer direkt geht und er hat noch eine Waffe, um den zweiten Verbündeten auch direkt vom Feld zu nehmen. Ich kann danach so viele Männer legen wie ich will, das Totem schießt mein Feld immer wieder weg. Meine eigene Waffe hatte ich in diesem Spiel unglücklicherweise nicht gezogen.

Ansonsten ist mir in diesem Spiel noch ein dummer Fehler unterlaufen: Ich hätte ihm seine WindschereWindschere, 2, Schamane , (Badge-94R)
Sofort-Fähigkeit—Elementar

Bestimme eins oder beides: Unterbrich eine Fähigkeit deiner Wahl; oder erschöpfe einen Helden oder Verbündeten deiner Wahl.
, die er zuvor ausgespielt hatte, aus dem Spiel entfernen können, doch ich nahm einen Verbündeten. Später wurden die Friedhöfe wieder rein gemischt, er zog sie erneut und im entscheidenden Moment konnte er Erdrosselnder GriffErdrosselnder Griff, 3, Todesritter , (Badge-29C)
Sofort-Fähigkeit—Unheilig

Unterbrich einen Verbündeten deiner Wahl mit Kosten X, den ein Gegner ausgespielt hat. Falls du dies tust, fügt dein Held seinem Helden X Schattenschaden zu.
kontern, was mir anders den Sieg gebracht hätte.

Runde 3 gewinne ich wieder locker 2:0 und in Runde 4 geht es gegen Christian. Der will erst gar nicht gegen mich spielen, aber ich meine zu ihm, ich bin hier, um ein wenig Praxis zu sammeln. Ich gewinne den Würfelwurf, lege ihm in beiden Spielen eine starke Kurve hin und er dreht zweimal das Spiel. Erschreckenderweise wissen wir beide nicht ganz sicher, wie das passiert ist. In einem Spiel hatte ich so ziemlich die perfekte Kurve und trotzdem habe ich nie Druck gemacht, weil er einfach auch super-fette Männer legt. Trotzdem war ich immer der Meinung, dass in diesem Format fast ausnahmslos IMMER der Spieler gewinnt, der den Würfelwurf gewonnen hat und die Kurve hin legt. Tja, offenbar also doch nicht.

Was uns dann zu der zweiten Erkenntnis bringt:

Sollte man sich selbst überschätzen, so sinken die eigenen Chancen, ein Spiel zu gewinnen, instant um 50%!

Ich wäre ehrlich froh, wenn ich sagen könnte: Ich habe mich selbst heilos überschätzt, war zu eingebildet und habe deshalb auf die Fresse bekommen. Dann wüsste ich nämlich, was ich das nächste Mal besser machen könnte. Leider war dem aber nicht so. Ich bin konzentriert in die Spiele gegangen, es gab nicht viel, was man falsch machen konnte und außer dem Fehler im Spiel gegen Jörg weiß ich auch nicht, was ich so unendlich falsch gespielt haben soll und... nun ja, ich habe trotzdem gut kassiert.

Also bringe ich jetzt mal eine Vermutung ein:

Egal, wie sicher man sich ist, ein Format "durchschaut" zu haben, man sollte IMMER mit Überraschungen rechnen!

Das aktuelle Limited Environment ist zwar irgendwie wie Lotto-Spielen mit etwas besseren Quoten und sehr viel mehr Zeitaufwand, doch trotzdem verläuft nicht jedes Spiel so unendlich stupide, wie ich anfangs behauptete. [3]

Am Ende des Tages bleibt uns eigentlich nur übrig, voll konzentriert an die Sache zu gehen und unser bestes Tennis zu spielen. Wenn es dann nicht gereicht hat, haben wir offenbar noch irgendwas nicht ganz verstanden und müssen weiterhin an uns arbeiten. Wodurch ich zu meiner letzten super-zitierbaren Merkregel dieses Artikels komme:

Wichtig ist, dass man nie aufhört, an sich zu arbeiten!

Ich musste leider schon mitansehen, was zu viel Arroganz aka Siegessicherheit aus einem Spieler gemacht hat. Um die spielerischen Auswirkungen zusammen zu fassen: Er wurde schlechter. Dazu kommt dann noch der psychologische Aspekt: Er wurde sehr viel unsympathischer. Es hat schon seinen Grund, warum die Redewendung "der Erfolg ist jemandem zu Kopf gestiegen" heißt.

Ganz besonders schlimm wird es, wenn man an dem Punkt angekommen ist, an dem man Niederlagen wirklich nicht mehr akzeptieren kann. Dies drückt sich in unendlich unsportlichem Verhalten nach der Niederlage aus oder gar schlimmeren Konsequenzen. So greift ein Spieler, der seiner Ansicht nach klar hätte gewinnen müssen und sowieso viel besser als sein Gegenüber ist, im Extremfall zu Cheating und versucht sich den Sieg zu "erkaufen". Habt ihr euch selbst schon dabei ertappt, so weit gegangen zu sein, solltet ihr euch ernsthaft überlegen, ob ihr noch das richtige "Hobby" betreibt. Oder ob ihr euren "Job" [4] nicht besser etwas besser machen solltet aka bessere Vorbereitung und besseres Spiel.

Um an dieser Stelle mal meinen Onkel zu zitieren:

Es ist egal, wie oft man hinfällt. Wichtig ist nur, dass man immer wieder aufsteht.

Das Aufstehen fällt sehr viel einfacher, wenn man sich wirklich bewusst ist, wo man eigentlich steht. Wenn ihr mit der richtigen Erwartungshaltung in ein Turnier startet, so könnt ihr am Ende quasi nur "geringfügig schlechter" oder sehr viel besser als erwartet raus gehen.

Um dann noch mal den Bogen zu spannen und diesen Artikel zu einem "runden" Ende zu bringen, eröffne ich euch an dieser Stelle meine derzeitige Erwartungshaltung für die Realm Championship; mit einem Wort: Bodenständig. Ich werde mich wohl mit einer ausgeglichenen Bilanz zufrieden geben und hoffe einfach ganz fest auf mehr. [5]

Habe ich bei meiner kurzen Betrachtung einen ganz wichtigen Punkt vergessen? Habt ihr möglicherweise das Krieg der Geißel Limited durchschaut, seid ihr bereit euer Wissen zu teilen und könnt ihr uns im Feedback-Thread erleuchten? Oder wollt ihr einfach sonst irgendwas loswerden? Ich freue mich wie immer auf eure Beiträge im Forum!

soul


[1] Ich möchte mich an dieser Stelle einfach mal bei all den Fabrikarbeitern bedanken, mit denen ich während meiner Ferienjobs im ZF Sachs Werk in Schweinfurt zusammen gearbeitet habe. Hätte dort nicht jeden Tag die Bild-Zeitung im Pausenbereich herum gelegen, wüsste ich gar nicht, wie man so billige und reißerische Headlines zusammen zimmert.

Wobei Original-Bild-Stil natürlich der "gesteigerte Superlativ" wäre, der sich in etwa so lesen würde: "Ich bin Deutschlands schlechtester Spieler im Krieg der Geißel Limited!!!!!!!"

[2] Ich habe mich natürlich total gefreut, als mir diese noch einmal unterlaufen sind, wodurch ich direkt noch ein Spiel verloren habe!!!

NICHT!!!

[3] Nun ja, eigentlich habe ich ja gar nichts dazu gelernt. Ich behaupte weiterhin, dass dieses Format totale Scheiße ist, ergänze aber meine Aussage entsprechend. Das läuft dann meist auf diese Beschreibung hinaus: "Das aktuelle Limited ist totaler Bockmist und ich bin total scheiße darin."

Zwar nimmt mir das mühelos 50% meiner Glaubwürdigkeit, das ist mir aber egal. Man muss ja ab und an mal ne dumme Aussage machen, damit die Leute einen echten geistigen Erguss wieder so richtig zu schätzen wissen.

(Deshalb schreibe ich auch alle 10 Artikel einen schlechten!)

[4] Denn letztendlich ist das die einzige Möglichkeit, wie man solches Verhalten rechtfertigen kann: Man sieht ein Turnier nicht einfach nur als sportlichen Wettbewerb, sondern als "Einnahmequelle".

[5] Keine Sorge, ich habe jetzt nicht meinen Biss verloren, nur ist aus derzeitiger Sicht einfach realistisch betrachtet nicht mehr drin. Dazu liegt mir die Underdog-Rolle sowieso viel mehr als die des Favoriten.